Was Teams wirklich bewegt — Post #7
Es gibt einen Satz, den ich in der Arbeit mit Führungsteams immer wieder höre: «Wir wollen eine offene Kultur, wo jeder sagen kann was er denkt.»
Gut gemeint. Und meistens folgenlos.
Nicht weil die Absicht fehlt. Sondern weil ein Team nicht auf Worte schaut — es schaut auf Verhalten. Und Verhalten spricht lauter als jede Absichtserklärung.
Das Team beobachtet
Führungskräfte unterschätzen oft, wie genau sie beobachtet werden. Nicht in grossen Momenten — in kleinen. Wie reagiert die Chefin, wenn in einem Meeting eine schlechte Nachricht kommt? Wird sie ruhig und neugierig — oder angespannt und defensiv? Was passiert, wenn jemand eine Entscheidung offen in Frage stellt — wird das als wertvoll behandelt oder als störend?
Diese Momente prägen das Team. Nicht einmal, sondern durch Wiederholung. Irgendwann weiss jeder: So läuft das hier. Und entsprechend verhalten sie sich.
Vorangehen — was das konkret bedeutet
Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Appelle. Sie entsteht dadurch, dass die Führungskraft selbst das zeigt, was sie vom Team erwartet.
Das bedeutet konkret:
Fehler zugeben — bevor jemand anderes es tut. Nicht als grosse Geste, sondern sachlich: «Das war meine Fehleinschätzung, ich hätte das früher sehen müssen.»
Unsicherheit zeigen — ohne sie zu beschönigen. «Ich weiss es ehrlich gesagt nicht» ist ein stärkeres Signal als eine halbgare Antwort die Sicherheit vortäuscht.
Andere Meinungen wirklich hören — nicht als Pflichtübung, sondern mit echtem Interesse. Und manchmal die eigene Meinung danach ändern — und das auch sagen.
Das sind keine grossen Gesten. Aber sie senden ein Signal, das ein ganzes Team empfängt.
Die unbequeme Wahrheit
Wenn in einem Team niemand offen spricht, wenn Fehler versteckt werden, wenn alle nicken aber keiner wirklich zustimmt — dann lohnt es sich, zuerst auf die Führungskraft zu schauen. Nicht als Schuldzuweisung. Sondern weil dort der grösste Hebel liegt.
Ein Team wird selten offener sein als seine Führungskraft es vorlebt.
Zum Nachdenken
Wann hast du zuletzt als Führungskraft einen Fehler zugegeben — nicht im Nachhinein, sondern im Moment? Und was hat das im Team ausgelöst?
Wenn dir keine Situation einfällt: Das ist der Ausgangspunkt.
Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt




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