Was Teams wirklich bewegt — Post #2
«Das haben wir schon gemacht»
Diesen Satz höre ich öfters, wenn ich mit Führungskräften über Teamentwicklung spreche. Und meistens folgt eine Pause — und dann: «Hat eigentlich nicht viel gebracht.»
Das ist keine Ausrede. Das ist eine ehrliche Beobachtung. Und sie trifft öfter zu, als die Teamentwicklungsbranche zugeben möchte.
Das Fitnessstudio-Problem
Stell dir vor, Du gehst einmal ins Fitnessstudio, stemmst 100 kg, und erwartest, dass Du danach dauerhaft fit und muskulös bist. Das klingt absurd. Niemand würde das so angehen.
Aber genau das passiert bei vielen Team-Workshops.
Man investiert viel — zwei intensive Tage, ein gutes Hotel, eine erfahrene Moderation. Es entstehen echte Gespräche, manchmal sogar Momente echter Offenheit. Man geht mit guten Vorsätzen nach Hause.
Und dann kommt der Alltag. Der Muskelkater. Man schont sich. Drei Monate später sind die Vorsätze verblasst, die Muster sind zurück — und das Team hat eine neue Erfahrung gemacht: dass «so etwas» eben nichts bringt.
Was wirklich passiert
Das Problem ist nicht der Workshop. Das Problem ist das Verständnis davon, wie Veränderung in Teams funktioniert.
Teams verändern sich nicht durch Einsicht. Sie verändern sich durch neue Muster — und Muster stabilisieren sich durch Wiederholung. Ein Gespräch, das einmal anders läuft. Eine Reaktion, die bewusst unterbrochen wird. Eine Frage, die jemand stellt, obwohl er sie bisher nie gestellt hat.
Das klingt klein. Und das ist es auch. Aber genau darin liegt die Kraft.
Wer regelmässig trainiert — in kleinen Einheiten, mit steigender Intensität, nah am Alltag — verändert mehr als wer einmal alles gibt und dann erschöpft pausiert.
Was das für die Praxis bedeutet
Teamentwicklung, die wirkt, braucht:
- neben Intensität auch Ausdauer
- Neben Reflexion im Seminarraum auch Übung im Alltag
- Neben grossen Vorsätzen auch kleine, konkrete Schritte
Das bedeutet nicht, dass gemeinsame Auszeiten sinnlos sind. Sie können ein guter Startpunkt sein — für Wirkung braucht es dann aber viel üben.
Zum Nachdenken
Wann hat Euer Team zuletzt etwas geübt — nicht besprochen, sondern wirklich geübt? Nicht im Workshop, sondern im nächsten Meeting, im nächsten schwierigen Gespräch, im nächsten Moment wo es reibt?
Wenn dir keine Antwort einfällt: Das ist der Ausgangspunkt.
Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt




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