Titanenkräfte reichen nicht

Eine rote Taste mit dem Text "Zurücksetzen".

Integrität zu fordern und gleichzeitig unerreichbar zu machen, ist eine problematische Neigung komplexer Organisationen. Die Führungskräfte, obwohl keine Titanen wie Atlas, tragen ein titanisches Ideal, das paradox und daher untragbar ist. Es entspricht dem Versuch, das gewichtslose Himmelsgewölbe allein zu stemmen, was selbst ein Titan nicht könnte.

Beispiele gibt es viele. Der integre Entscheidungsträger soll anderen auf den Zahn fühlen, aber mit Rücksicht. Wie soll das geschehen, als liebevolles Durchsetzen? Er darf fünfe gerade sein lassen, aber nichts Inkorrektes tolerieren. Er soll keine Gelegenheit verpassen, aber keiner Versuchung erliegen. Sein Erfolg liegt darin, anderen zum Erfolg zu verhelfen. Diese widersprüchlichen Ansprüche führen zu einem Dilemma: Sei loyal, auch wenn du in die Pfanne gehauen wirst!

Selbst Titanenkräfte reichen nicht aus, um diesen Anforderungen zu genügen. Die Doppeldeutigkeit des Integritätsimperativs wird zur Machtsicherung eingesetzt. Organisationen, die diesen Imperativ ohne Auflösung des Dilemmas ausgeben, schaffen eine schizophrene Situation. In solchen Umgebungen kann man nicht entscheiden, ohne eine der beiden Botschaften des Integritätsimperativs zu missachten. Entweder verweigert man sich dem unbedingten Erfolg (Illoyalität) oder verschreibt sich ihm (Korruption). Um integer zu bleiben, bleibt nur die Entscheidung, die Macht anderer zu bestätigen und die eigene aufzugeben.

Es gibt nur zwei Lösungen für Organisationen: Entweder sie fördern Zyniker oder sie gestalten das System um, sodass Integrität eine widerspruchsfreie Option wird. Letzteres erfordert den Verzicht auf den unbedingten Erfolg.

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