Was Teams wirklich bewegt — Post #2
Das ist keine Provokation. Es ist eine der nützlichsten Erkenntnisse, die ein Team haben kann.
Wir sind es gewohnt, Konflikte als Problem zu sehen — als Zeichen dass etwas schiefläuft, das es zu reparieren gilt. Und entsprechend viel Energie wird darauf verwendet, sie zu «lösen». Gespräche, Mediationen, Workshops. Manchmal hilft das. Oft nicht dauerhaft.
Weil viele Konflikte gar nicht lösbar sind.
Das Dilemma hinter dem Konflikt
Stell dir ein Führungsteam vor, das sich regelmässig darüber streitet, ob man eine Entscheidung jetzt trifft oder zuerst noch mehr Informationen sammelt. Geschwindigkeit gegen Gründlichkeit. Beide Seiten haben recht — und beide haben unrecht.
Das ist kein Missverständnis, das man klären kann. Das ist ein echtes Dilemma: Zwei Werte, die beide wichtig sind und sich gegenseitig im Weg stehen. Es gibt keine Lösung, die beide vollständig befriedigt. Jede Entscheidung für einen Wert ist eine Entscheidung gegen den anderen Wert und beide sind wertvoll.
Dasselbe gilt für viele andere Spannungen in Teams: Nähe gegen Distanz. Individualität gegen Teamgeist. Stabilität gegen Veränderung. Wer nach der endgültigen Lösung sucht, sucht etwas, das es nicht gibt.
Was stattdessen funktioniert
Der Unterschied zwischen Teams die an Konflikten zerbrechen und Teams die damit umgehen können, liegt nicht darin, dass die einen keine Konflikte haben. Er liegt darin, dass die einen gelernt haben zu regulieren statt zu lösen.
Regulieren bedeutet:
- Den Konflikt beim Namen nennen, statt ihn zu umgehen
- Verstehen, welche Bedürfnisse oder Werte auf beiden Seiten stecken
- Bewusst entscheiden, wie man im Moment damit umgeht — ohne zu glauben, das sei die endgültige Antwort
- Akzeptieren, dass die Spannung wiederkommt — und das ist in Ordnung
Das klingt unbefriedigend. Und am Anfang ist es das auch. Aber Teams die das üben, werden etwas Wichtiges: handlungsfähig. Auch wenn es reibt. Auch wenn nicht alles geklärt ist.
Konflikte als Material
Ich gehe noch einen Schritt weiter: Konflikte sind nicht das Problem in der Teamentwicklung. Sie sind das Material.
Wo es reibt, zeigt sich was einem Team wirklich wichtig ist. Was unter der Oberfläche liegt. Welche Muster sich eingeschliffen haben. Wer gelernt hat, dieses Material zu lesen — statt es wegzuschieben — hat einen direkten Zugang zu dem, was ein Team wirklich bewegt.
Zum Nachdenken
Welchen Konflikt in eurem Team versucht ihr gerade zu lösen — obwohl er vielleicht gar nicht lösbar ist? Und was würde sich verändern, wenn ihr aufhört ihn lösen zu wollen — und stattdessen lernt, bewusst damit umzugehen?
Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt




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