Ein Experiment für dein nächstes Meeting

Was Teams wirklich bewegt — Post #10

Ich möchte diesmal kein Konzept erklären. Kein Modell, keine Theorie. Nur ein konkretes Experiment — etwas, das du in deinem nächsten Meeting ausprobieren kannst. Heute noch, wenn du willst.

Das Experiment

Bevor die Agenda beginnt: Frag reihum — jede Person, ein Satz. Die Frage:

«Wie kommst du gerade an?»

Nicht mehr. Nicht weniger. Jeder antwortet kurz — und dann geht es los.

Warum das hilfreich sein kann

Meetings beginnen meistens mit der Sache. Direkt in die Agenda, direkt in den ersten Punkt. Das ist effizient — aber es übersieht etwas.

Menschen kommen nicht als leere Gefässe ins Meeting. Sie kommen mit dem, was davor war. Ein schwieriges Gespräch. Ein voller Morgen. Eine gute Nachricht. Eine Unsicherheit die sie beschäftigt. All das ist im Raum — ob man es anspricht oder nicht.

Wenn man es nicht anspricht, ist es trotzdem da. Es beeinflusst wie jemand zuhört, wie jemand reagiert, ob jemand wirklich präsent ist.

Ein kurzer Check-in macht das sichtbar. Nicht um es zu lösen — sondern damit das Team weiss womit es im Raum ist.

Was dabei passieren kann

Manchmal ist es unspektakulär. Alle sind gut drauf, es geht schnell weiter. Aber manchmal sagt jemand: «Ich bin ehrlich gesagt noch gar nicht hier, ich hatte einen schwierigen Morgen.» Oder: «Ich bin gerade unter ziemlichem Druck wegen Projekt X.»

Und plötzlich weiss das Team etwas, das es vorher nicht wusste. Es kann damit umgehen — statt sich zu wundern warum jemand heute so reagiert wie er reagiert. Statt Verhalten falsch zu interpretieren. Statt aneinander vorbeizureden.

Es geht dabei nicht um Problemlösung, sondern um Information. Und Information hilft einem Team, besser zusammenzuarbeiten.

Warum kleine Rituale wichtig sind

Teamentwicklung passiert nicht nur in Workshops. Sie passiert in den kleinen Momenten des Alltags — in dem was ein Team regelmässig tut, wie es Meetings beginnt, wie es miteinander spricht.

Kleine Rituale verändern Muster. Nicht sofort — aber durch Wiederholung. Ein Check-in der konsequent gemacht wird, verändert über Zeit wie ein Team miteinander umgeht. Er schafft einen Moment der Präsenz, bevor es losgeht. Und Präsenz ist die Voraussetzung für echte Zusammenarbeit.

Das Experiment

Probiere es in deinem nächsten Meeting aus. Kündige es nicht gross an — sag einfach: «Bevor wir starten, kurz reihum: Wie kommt ihr gerade an? Bitte nur kurz ein Satz»

Und dann: beobachte was passiert. Nicht bewerten — beobachten.

Was du siehst, sagt dir etwas über dein Team.


Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt

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