Die Frage, die Teams selten stellen

Was Teams wirklich bewegt — Post #8

Es gibt eine Frage, die ich in der Arbeit mit Teams manchmal stelle — und die regelmässig für Stille sorgt.

Weil sie so selten gestellt wird und weil die Antwort nicht immer ganz einfach ist.

Die Frage lautet: Warum gibt es euch eigentlich?

Nicht die offizielle Antwort

Ich meine nicht die Version aus dem Organigramm. Nicht «wir sind verantwortlich für Bereich X» oder «wir steuern Funktion Y». Das ist eine Beschreibung — kein Sinn.

Ich meine: Was würde wirklich fehlen, wenn es dieses Team nicht gäbe? Was ist der Beitrag, den nur ihr leisten könnt — für die Organisation, für die Kunden, für das grössere Ganze?

Diese Frage fühlt sich für viele Teams fast zu gross an. Zu philosophisch. Der Alltag drängt, die Agenda ist voll, es gibt Wichtigeres.

Aber genau das ist das Problem.

Was fehlt ohne Sinn

Teams ohne klares Warum arbeiten trotzdem. Sie liefern, koordinieren, lösen Probleme. Aber wenn es schwierig wird — wenn Ressourcen knapp sind, wenn Prioritäten kollidieren, wenn eine schwierige Entscheidung ansteht — fehlt der Rahmen.

Woran orientiert man sich, wenn nicht alles geht? Was hat Vorrang? Wofür lohnt es sich, Energie zu investieren — und wofür nicht?

Sinn gibt darauf Antworten. Nicht als Motivationsplakat, sondern als praktische Orientierung im Alltag.

Die Lücke zwischen Glauben und Wirklichkeit

Das Interessante: Die meisten Teams glauben, diese Frage sei beantwortet. Man hat eine Strategie, eine Mission, ein Leitbild.

Aber wenn man die Teammitglieder einzeln fragt — ohne Absprache, in einem Satz — was der Zweck des Teams ist, kommen oft überraschend unterschiedliche Antworten. Nicht weil jemand nicht aufgepasst hat. Sondern weil Sinn nicht durch Dokumente entsteht, sondern durch gemeinsame Gespräche die wirklich geführt werden.

Zum Experimentieren

Frag die Mitglieder deines Teams diese Woche einzeln — ohne Vorbereitung, ohne Absprache:

«Warum gibt es uns als Team? Was würde fehlen, wenn es uns nicht gäbe?»

Sammle die Antworten. Schau wie ähnlich oder unterschiedlich sie sind. Und dann — bring sie zusammen ins Gespräch.

Was dabei entsteht, ist oft wertvoller als jeder Workshop über Strategie und Ziele.

Zum Nachdenken

Kannst du den Zweck deines Teams in einem Satz beschreiben — ohne das Organigramm zu bemühen? Und würden deine Teammitglieder denselben Satz sagen?


Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt

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