Der Moment, wo Meetings schiefgehen

Was Teams wirklich bewegt — Post #5

Wenn ich mit Führungsteams arbeite, bitte ich sie manchmal um eines: Lasst mich einfach ein Meeting beobachten. Nichts vorbereiten, nichts erklären — einfach so weitermachen wie immer.

Was ich dabei sehe, sagt mir mehr über das Team als jedes Gespräch davor.

Meetings als Spiegelbild

Ein Meeting ist kein neutrales Werkzeug. Es ist eine soziale Situation — mit allem was dazugehört. Wer das Wort ergreift und wer wartet. Wer unterbrochen wird und wer nicht. Ob die Führungskraft ihre Meinung zuerst sagt — und damit alle anderen Meinungen unsichtbar macht. Ob Entscheide wirklich getroffen werden, oder ob man sich auf ein nächstes Meeting einigt, weil niemand die Verantwortung übernehmen will.

All das passiert nicht zufällig. Es ist Muster. Eingeschliffen durch hunderte Meetings, die genauso abgelaufen sind.

Das eigentliche Problem

Die meisten Teams denken, ihr Meeting-Problem sei ein Zeitproblem. Zu viele Meetings, zu lang, zu ineffizient. Das stimmt — aber es ist die Oberfläche.

Darunter liegt etwas anderes: Meetings sind oft der Ort, wo die eigentliche Zusammenarbeit — oder deren Fehlen — sichtbar wird. Die informellen Hierarchien. Die Themen, die man lieber vermeidet. Die Dynamik zwischen Personen, die sich in jedem Satz wiederholt.

Wer nur die Meetingstruktur optimiert — Agenda, Zeitlimit, Moderationsregeln — löst das Symptom, nicht die Ursache.

Was wirklich hilft

Der erste Schritt ist Beobachtung. Nicht Bewertung — Beobachtung.

Was passiert wirklich in unseren Meetings? Nicht was sollte passieren, nicht was wir glauben dass passiert — sondern was tatsächlich abläuft?

Wenn ein Team anfängt, das ehrlich zu beantworten, hat es bereits etwas Wichtiges getan: Es hat das Muster sichtbar gemacht. Und was sichtbar ist, kann verändert werden.

Zum Nachdenken

Beobachte dein nächstes Meeting — nicht den Inhalt, sondern das Muster. Stell dir drei Fragen:

  1. Wer redet wie viel — und wer gar nicht?
  2. Werden Entscheide getroffen oder vertagt?
  3. Was wäre anders, wenn die Führungskraft nicht dabei wäre?

Was du siehst, ist kein Zufall. Es ist dein Team.


Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert