Darum geht es
Moderne, reife Teams brauchen keine Führungskräfte, die allein entscheiden, was delegiert wird und wie weit Verantwortung an einzelne Personen übertragen werden soll. In agilen Organisationen verschiebt sich der Fokus: Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo das Fachwissen und die Erfahrung sitzen — im Team selbst.
Delegation Poker bietet dafür einen klaren, spielerischen und gleichzeitig sehr wirksamen Rahmen. Das Kartenset besteht aus sieben Stufen der Delegation. Jede Stufe beschreibt eine andere Form der Beteiligung: von der vollständig geführten Entscheidung bis zur vollständigen Selbstverantwortung des Teams.
Gemeinsam verstehen, gemeinsam entscheiden
Beim Delegation Poker entsteht der Mehrwert vor allem dadurch, dass ein Austausch über die Art von Entscheidungen und der Delegation passiert.
- Das Team diskutiert, welche Art von Entscheidungssituation vorliegt.
- Alle Teammitglieder legen gleichzeitig ihre Karten, was Transparenz schafft und stille Stimmen genauso sichtbar macht wie laute.
- Unterschiedliche Perspektiven werden sichtbar, ohne dass jemand dominieren muss.
Durch diesen Prozess entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Entscheidungen und Workload verteilt werden sollen. Das stärkt die Zusammenarbeit, schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Verantwortung bewusst — und vor allem gemeinsam — gestaltet wird.
Mehr Klarheit, weniger Reibungsverluste
Unklare Verantwortlichkeiten gehören zu den häufigsten Ursachen für Missverständnisse und unnötigen Stress im Arbeitsalltag. Der strukturierte Austausch beim Delegation Poker bringt Ordnung in genau diese Graubereiche:
- Rollen und Verantwortungen werden besser verstanden.
- Erwartungen werden offen besprochen, statt still vorausgesetzt.
- Entscheidungen werden nachvollziehbarer und konsistenter.
Ein Werkzeug, das Entwicklung fördert
Delegation Poker dient nicht nur der Klärung von Zuständigkeiten, sondern auch der Weiterentwicklung des gesamten Teams. Mit jedem Spielzug reflektiert das Team:
- Welche Aufgaben können wir selbst übernehmen?
- Wo brauchen wir noch Unterstützung?
- Wie hat sich unsere Reife als Team verändert?
Damit wird Delegation Poker zu einem kontinuierlichen Entwicklungsinstrument — für Einzelne, für Führungskräfte und für das Team als Ganzes.
Ablauf
Delegation Poker folgt einem klaren, einfachen und sehr wirksamen Ablauf. Ziel ist es, für eine konkrete Entscheidungssituation gemeinsam die passende Delegationsstufe zu bestimmen. Dadurch entsteht Transparenz, Verständnis und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl im Team.
Idealerweise wird beim ersten Mal das Spiel durch eine unbeteiligte Person moderiert.
0. Entscheidungssituationen sammeln & Karten erklären
Gemeinsam werden verschiedene typische Entscheidungssituationen aus dem Arbeitsalltag gesammelt und auf einem „Delegation Backlog“ (siehe weiter unten) gesammelt.
Jede Person erhält 7 Entscheidungs-Karten (Stufen 1-7). Falls zum ersten Mal gespielt wird, werden die Entscheidungsstufen kurz erklärt und ebenfalls der Ablauf).
1. Szenario vorstellen
Ein Teammitglied beschreibt eine typische oder herausfordernde Entscheidungssituation aus dem Arbeitsalltag (oder aus dem Backlog)
Beispiele können sein: „Wer entscheidet über die Priorisierung des Backlogs?“ oder „Wer wählt den neuen Lieferanten?“.
2. Reflexion und Kartenauswahl
Alle Teammitglieder denken kurz für sich darüber nach, welche der sieben Delegationsstufen sie für angemessen halten. Danach wählen sie eine Karte und legen sie verdeckt vor sich ab.
So bleibt jede Meinung unvoreingenommen und unbeeinflusst.
3. Gleichzeitiges Aufdecken
Alle decken ihre Karten gleichzeitig auf.
Oft zeigt sich dabei eine breite Spannweite verschiedener Perspektiven – ein wertvoller Ausgangspunkt für die nächste Phase.
4. Begründung und Diskussion
Jetzt erklärt jede Person ihre Einschätzung. Besonders die Extrempositionen (z. B. Stufe 1 vs. Stufe 7) erhalten zuerst Raum zur Begründung.
In dieser Diskussion entsteht das eigentliche Lernen:
- Warum sehe ich die Entscheidung hier zentralisiert oder dezentral?
- Welche Risiken nehme ich wahr?
- Wie viel Verantwortung kann oder will das Team übernehmen?
5. Erneute Abstimmung (falls nötig)
Wenn die Sichtweisen stark auseinandergehen, wird eine zweite Runde gespielt. Dabei wiederholen die Teammitglieder die Abstimmung, bis ein gemeinsames Verständnis erreicht ist.
Es geht dabei nicht zwingend um Einstimmigkeit, sondern um ein tragfähiges Commitment.
6. Dokumentation im Delegation Board
Um die Ergebnisse verbindlich und sichtbar zu machen, kann das Team ein Delegation Board nutzen.
Darauf werden:
- die Entscheidungssituation,
- die vereinbarte Delegationsstufe,
- sowie die verantwortlichen Personen
festgehalten. Das Board dient später als Referenz und hilft, Veränderungen im Team sichtbar zu machen. Entscheidungssituationen können sich im Verlaufe der Zeit auch ändern und getroffene Delegationslevels angepasst werden.
Das Delegation Board kann ein Teil einer Teamcharta werden.
Erweiterung
Delegation Poker dient grundsätzlich dazu, Entscheidungsbefugnisse transparent zu machen, Missverständnisse zu verhindern und gemeinsame Erwartungen zu klären. Das funktioniert nicht nur vertikal (Chef → Team), sondern auch horizontal (Team untereinander).
Zweistufiges Pokern
- Stufe 1
- Team und Chef spielen
- Perspektive: Chef –> Team
- Stufen 1-7
- Falls als Ergebnis Stufe 5 (advise) oder höher herauskommt, wird die zweite Stufe gespielt
- Stufe 2
- Gleiche Entscheidungssituation wie vorher auf Stufe 1
- Nur noch das Team spielt (ohne Chef):
- Perspektive: Team –> einzelne Rollen
- Es wird geklärt, wie innerhalb des gegebenen Spielraums als Team entscheiden werden soll (wiederum Stufen 1-7 möglich)