Was Teams wirklich bewegt — Post #1
Wenn es in einem Team nicht stimmt, suchen wir fast reflexartig nach einer Erklärung. Und meistens landen wir bei einer Person.
Die schwierige Kollegin, die immer querschiesst. Der Kollege, der nie zuhört. Die Führungskraft, die keine klaren Entscheide trifft. Manchmal stimmt diese Diagnose sogar — aber viel öfter ist sie zu einfach.
Was wir übersehen
Teams entwickeln über Zeit unsichtbare Routinen. Wie Meetings ablaufen. Wer das Wort ergreift und wer schweigt. Wie Konflikte angesprochen werden — oder eben nicht. Was als normal gilt und was als Tabu.
Diese Routinen nennt man Muster. Und Muster entstehen nicht durch bösen Willen. Sie entstehen weil sie funktionieren und durch Wiederholung — durch hunderte kleine Interaktionen, die sich einschleifen, bis niemand mehr merkt, dass es auch anders gehen könnte.
Das Tückische daran: Muster sind stärker als Personen.
Wer schon erlebt hat, wie eine neue Führungskraft ins Team kommt — voller Energie, mit guten Absichten — und nach sechs Monaten genauso verhält wie die Vorgängerin, kennt dieses Phänomen. Das System hat die Person eingezogen, nicht umgekehrt.
Was das für Teamentwicklung bedeutet
Wenn wir nur an Personen arbeiten — Coaching hier, Feedback-Gespräch dort — lösen wir das eigentliche Problem nicht. Wir behandeln Symptome.
Was wirklich wirkt, ist das Muster sichtbar zu machen. Zu benennen, was automatisch abläuft. Und dann — langsam, durch Wiederholung — neue Alternativen einzuüben, bis diese die alten ersetzen.
Das ist keine schnelle Arbeit. Aber es ist die richtige.
Zum Nachdenken
Welches Muster in eurem Team ist so selbstverständlich geworden, dass es niemand mehr hinterfragt? Nicht das offensichtliche Problem — sondern das, was im Hintergrund läuft und das Problem erst ermöglicht?
Wenn ihr es benennen könnt, habt ihr den ersten Schritt gemacht.
Olivier Gut begleitet Führungsteams bei der Entwicklung ihrer Zusammenarbeit. Mehr unter absolutum.net/was-teams-wirklich-bewegt




Schreibe einen Kommentar