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Nackte Opportunisten

Die Idee der Kontrolle: Mißbrauch verhindern. Hieraus ergibt sich ein fundamentales Problem. Kontrolle geschieht auf Verdacht.

Viel Geld wird in Kontrollsysteme gesteckt. Die Idee: Mißbrauch verhindern. Wer unkontrolliert bleibt, werde die Situation zu seinen Gunsten ausnutzen. Die Logik der Kontrolle ist an das Modell des „homo oeconomicus“ geknüpft, wonach wir alle nur unseren Selbstnutzen suchende Opportunisten sind. Anders gesagt: Kontrolle geschieht auf Verdacht.

Hieraus ergibt sich ein fundamentales Problem. Kontrollieren verlangt immer auch die Kontrolle der Kontrolle — um zu vermeiden, daß die Kontrolle ausbleibt oder ausgehebelt wird. Wer kontrolliert und dabei unkontrolliert bleibt, dächte sich: Kontrollieren unter Zeit- und Erfolgsdruck? Kontrollieren, was man selbst nicht so genau nimmt? Kontrollieren, wenn man besser wegsehen sollte? Wenn man für das zugedrückte Auge sogar Gegenleistungen einkaufen kann?

Unweigerlich führt Kontrolle auf einen regressus ad infinitum, wie man das in der Logik nennt — Kontrolle fordert die Kontrolle der Kontrolle ohne Aussicht auf ein Ende der Kontrollkaskade. Denn die Kontrollkaskade ist ebenso eine Verdachtskaskade. Deshalb ist die Kontrollogik gar nicht realisierbar.

Aber diese Einsicht bezeichnet nicht das Problem. Der Treiber der Kontrollogik ist es, der problematisch und unrealistisch erscheint: der Verdacht. Sind wir tatsächlich alle nur nackte Opportunisten, die unkontrolliert keine Versuchung auslassen?

 

 

 

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Es kann nur Einstiege geben, wenn es auch Ausgänge...
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Freitag, 15. Dezember 2017

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